Der Hexenmeister - Därles Bärbla

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Der Hexenmeister

Presse > 2012

Der Hexenmeister und seine Zauberlehrlinge Fasnet Maskenschnitzer Hermann Götz aus Elchingen hat seine Kunst weitergegeben

Oberelchingen von Manfred Deger



Elchingen „Hat der alte Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben!/Und nun sollen seine Geister auch nach unserem Willen leben!" Das abgewandelte Zitat aus Goethes „Zauberlehrling" könnte auch Gültigkeit für Andreas Huber und Hans Laible von den Oberelchinger „Därles Bärbla" haben. Die beiden sind bei Elchingens „Hexenmeister" und Maskenschnitzer Hermann Götz in die Lehre gegangen, bevor dieser das Schnitzmesser aus der Hand legte. Und jetzt „leben seine Geister" nach ihrem Willen, sie stellten mit dem „Fischerbua" ihre erste selbst geschnitzte Maske vor.
Seine Geschichte hängt eng mit der Legende der „Därles Bärbla" zusammen, die zur Oberelchinger Faschingsgesellschaft „Greane Krapfa" gehören. Er hat fast 30 Jahre lang die Masken dieser Gruppen geschnitzt. Nachdem der 79-Jährige Andi und Hans in die Kunst des Maskenschnitzens eingeweiht hat, werden diese beiden künftig die Geburtshelfer für neue Bärbla, Bobbele und Fischerbuben sein.

Etwa 100 Masken für die „Därlesbärbla" und 50 für die „Bobbele" hat Hexenmeister Hermann Götz in den letzten Jahrzehnten geschaffen. „Es ist eigentlich ganz einfach, man formt ein Gipsmodell, sägt die Umrisse des Modells aus einem Lindenholzklotz aus, schnitzt aus diesem zwei 12 Millimeter starke Lagen heraus, klebt sie zusammen, damit die Maske nicht reißt, gibt ihr den Feinschliff und arbeitet die Messerfurchen für das Hexengesicht nach, bemalt die Maske und fertig ist die Hexe."

Grundformen entstehen aus einem Alumodell

Als die Oberelchinger Hexenhaufen immer zahlreicher wurden, lässt Hermann Götz vom Oberelchinger Metallgießer Georg Quintus aus dem Gipsmodell ein Alumodell gießen, nach dem dann die Holzgrundformen gefräst werden. Den Feinschliff und ihre endgültige Form erhalten sie immer noch von Hand. Das Bemalen der Masken übernimmt dann der Thalfinger Malermeister Dieter Müller. So kann sich Götz auf die Schnitzarbeit konzentrieren. Er hat seinen Hexen nicht nur die Gesichter gegeben, vor 22 Jahren grub er in alten Schriften des Klosters und im Institut für Heraldik auch ihre „Legenden" aus.

Die Legende der „Därles-Bärbla" gründet auf die Zeit des Abtes Gallus Keller (1587-1604). Der damalige Wärter des Klostertores hatte nach der Überlieferung zwölf Töchter, allesamt Zwillinge. Wegen deren täuschender Ähnlichkeit verwechselte er oft deren Namen und rief sie deshalb allesamt „Bärbl". Die armen Bärbln waren seit ihrer Kindheit gegen den Willen der wohlhabenden Klosterfischerfamilie mit deren Buben befreundet. Am Barbaratag, dem Namenstag der Torbärbeln, wurde der Fischermeister von Bürgern mit der Frage gehänselt, wann denn nun endlich die Hochzeit seines Sohnes mit einer Torbärbel stattfände. „Eher müssten zwölf Hexen am Obersten (Dreikönigstag) in meiner Stube stehen, bis eine Torbärbel Fischersfrau würde", schwor der Fischerzunftmeister. Nach dem Rat der alten Torburgl schlüpften die hübschen und allesamt blonden Torbärbeln in alte Kleider, banden sich lange Nasen und Kopftücher um und stürmten mit Besen bewaffnet beim Zwölf-Uhr-Schlag in das Haus des Fischerzunftmeisters. Da dieser kein Unmensch war und auch nicht wortbrüchig werden wollte, gab er zur Hochzeit seines Sohnes mit der ältesten Torbärbel seinen Segen.

Die Legende der „Bobbele" hat mit der Aufhebung der Erbuntertänigkeit und Leibeigenschaft anno 1811 zu tun. Die Männer dachten, sie könnten nun die Privilegien der „Herrschaft" auf ihre Frauen übertragen, die nach alten Berichten „fortan nach ihrem Willen hüpfen sollten". Am Lichtmesstag des Jahres 1824 sagten sich die von den Männern zu einer Zunftversammlung mitgenommenen Frauen beim „Oberen Wirt" in Oberelchingen von der „Männerherrschaft" los. Als Zeichen ihres neu gewonnenen Selbstwertgefühles trugen sie fortan bunte „Wollbobbele" an ihrer Tracht und hüpften nur noch vor Freude, wenn der Frauenruf „Bobbele hupf" ertönte. Die „Bobbele" waren geboren.

„Die Legende lebt und die Hexen tanzen. Jetzt gibt’s neue Hexenmeister", freute sich Hermann Götz. Die Krapfenmitglieder Andreas Huber und Hans Laible werden nun die Tradition des Maskenschnitzens in Oberelchingen fortsetzen. In der Werkstatt von Hermann Götz hängt folgendes mittelalterliche Gedicht: „Ich bin ein Schnitzer frü und spaet/mach Entwürff auff ein Linden Bret/Bildniss von Menschen oder Thier/Auch gewächße mancherly von hier/Schrifft-auch groß Versalbuchstaben/Historj und was man will haben/Künstlerisch daß nit ist auszubrechen/Kanns auch in andere Hölzer stechen."

Schnitzer suchen nach den Legenden

Nach diesem Rezept entstanden im Mittelalter Krampen, Perchten, Buttnmandl und bei Hermann Götz Därles Bärbeln und Bobbele. Jetzt kam der Fischerbub von Andi und Hans, der Geliebte der Bärbeln, als neues Häsmitglied dazu. Den ersten Schritt haben die zwei Zauberlehrlinge getan. Jetzt müssen sie nur noch die Legenden finden. Dann kann sich der alte Hexenmeister in Ruhe „doch einmal wegbegeben".

Neu-Ulmer Zeitung 11. Februar 2012


 
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